Rohfassung

Die erste Fassung eines Romans nennt man Rohfassung. Das ist bekannt.

Aber warum eigentlich?

Ich versuch’s mal so zu erklären: Haben Sie schon mal rohe Eier gegessen? Und hatten sie danach eine Salmonellenvergiftung?

Ich schon. Ich sage nur so viel: Das will man nicht. Das, was man da an ungutem Zeug gegessen hat, will der Körper so schnell wie möglich und so gründlich wie möglich wieder von sich geben. Alles, was roh ist und nicht wirklich genießbar, hinterlässt im besten Fall einen üblen Geschmack und im schlimmeren Fall findet man sich völlig erledigt über einem vor dem Bett platzierten Eimer wieder. Nicht schön! Muss ich jetzt noch erklären, was der Ausdruck „Rohfassung“ bedeutet? 

Ich habe gerade die Rohfassung eines neuen Romans beendet.

Die Idee ist grandios, aber nun ja, es ist die Rohfassung, und allein bei dem Gedanken daran, es in diesem Zustand zu servieren, wird mir schlecht.

Wie bei einem Kuchen. Man hat ein großartiges Rezept und man weiß, er kann ebenso großartig schmecken, aber roh? Kein Magen kann das überleben, da nutzt das großartigste Rezept nichts.

Also was tun? Backen, genießbar machen.

Können Sie backen? Die Zeit, die ein Kuchen im Ofen braucht, ist meist länger als die, die man benötigt, um den Teig zuzubereiten. Und dann kommt es darauf an, ihn bestmöglich zu platzieren. In der Mitte? Oder eher in der unteren Hälfte? Umluft oder Unter- und Oberhitze? Wieviel Grad? Wie lange? Und jeder Backofen ist unterschiedlich. Bei dem von meiner Mutter ging es schneller, bei meinem langsamer. Man braucht Gespür. Am Schluss ist der Kuchen fertig. Dann muss man ihn nur noch aus der Form kriegen. Nur noch? Man muss es zum richtige Zeitpunkt tun. Falls die Form nicht richtig eingefettet war, klebt der noch warme Teig daran fest und zerreißt. Wenn man es dann doch irgendwann geschafft hat, den Kuchen heil auf ein Kuchengitter zu befördern, ist er noch warm. Man kann ihn so nicht essen. Und vielleicht möchte man ihn noch ein wenig verzieren, ansehnlicher machen. Wieder muss man warten. Es dauert. Man braucht Geduld. Aber dann, wenn man alles richtig gemacht hat, kann man selbstgebackenen Kuchen essen. Und wenn man erkennt, dass das Rezept funktioniert hat und es fantastisch schmeckt, ist das ... 

Wie gesagt, ich habe gerade eine Rohfassung beendet. Das Rezept war gut. Jetzt muss es NUR noch der Roman werden, denn das ist es, was man lesen will: Romane und keine Rohfassungen.

Ich mach mich dann mal ans Backen ...

 

 

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Coming soon ...

Ich bin manchmal erschreckt darüber, wie inkonsequent ich bin und wie rasant ich meine Meinung in manchen Dingen ändern kann – in Kleinigkeiten allerdings. Na ja, ich habe auch einmal angekündigt, ich würde mich nie wieder bei Gesichtsbuch anmelden oder Whatsapp benutzen. Und heute checke ich facebook täglich, freue mich über likes und finde whatsapp ziemlich nützlich.  Sind das Kleinigkeiten? Wie man’s nimmt. Bin ich nun rückgratlos oder einsichtig? (Bitte nicht antworten!)

Ich lebe jedenfalls  (manchmal) frei nach dem Motto: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? (Adenauer, immerhin).

 

Gestern zum Beispiel – oder vorgestern habe ich einer Bloggerin in einem Interview erklärt, ich würde niemals über geplante Projekte sprechen. Nie. Nie. Nie. (Was sind das für Menschen die zu einer alten Frau „Nie“ sagen? Die Ritter der Kokosnuss. – Ich muss das mit meinen plötzlichen Gedankenspüngen irgendwann mal abstellen.)

Und heute schreibe ich einen Blogartikel, in dem ich genau das beabsichtige zu tun.

Mein neues „Projekt“ (ich kann das Wort eigentlich nicht ausstehen): ein weiterer Liebesroman-der-kein-Liebesroman-ist-oder-vielleicht-doch-eigentlich-schon-Liebesroman. Alles klar?

Ich weiß den Titel (der nicht verhandelbar ist und in dem immerhin das Wort Liebe vorkommt, also ist das ein erstes Indiz), ich kenne die Protagonistin jetzt schon in- und auswendig, ich sehe sie vor mir, ich kenne ihren Namen – sie lebt. Man wird sie mögen und beschützen wollen, man wird über sie die Augen verdrehen und den Kopf schütteln, man wird ihr begeistert bei ihrer Entwicklung zusehen, sich mit ihr auf die Suche begeben nach ... jemandem, und am Schluss wird man mit ihr ... sagen wir, ich kenne den Schluss, die letzte Szene, das letzte Wort.

Man wird mehr als in allen anderen Romanen hoffen und mehr Herzklopfen haben, man wird aber auch mehr mitleiden.

 

Und warum schreibe ich das jetzt hier? Warum verkünde ich das laut und öffentlich, so dass es (theoretisch) jeder lesen kann. Damit ich mich selbst in Zugzwang versetze und das Buch auch wirklich schreibe? Damit es Zeugen gibt, die mir hinterher sagen könnten: „Ist wohl doch nicht draus geworden!“ Und denen ich dann sagen könnte: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“

Vielleicht sag ich das. Aber diese Geschichte hat eines mit allen drei Romanen, die ich bisher geschrieben habe, gemeinsam: Sie war plötzlich da, in meinem Kopf, so lebendig und präsent, dass ich sie nicht ignorieren kann und dass ich sie schreiben will, weil ich das Gefühl habe, es der Protagonistin schuldig zu sein. Ich weiß, worum es geht, ich weiß, was ich sagen will, ich weiß, wie es endet. Sie ist mir wichtig. Sie ist mehr als ein „Projekt“. Sie ist da. Und wenn ich es gut mache, wird es ein großartiger Roman.

Wenn ich es nicht vermassele ... Und wie immer, wenn mir etwas wichtig ist, habe ich Angst davor, genau das zu tun. Bin ich bescheuert, das nun auch noch anzukündigen?

In etwa zwei Monaten wissen wir mehr ...

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Neuland!

Das Internet ist Neuland für uns alle. LOOOL. Guter Spruch! Kennen Sie, oder?

Ich will jetzt gar nicht auf den Zusammenhang eingehen, in dem dieser Satz fiel. Das ist irgendwie politisch und irgendwie politisch will ich nicht werden. Nicht hier. Nicht jetzt. Bleiben wir neutral. Fürs Erste ... Bleiben wir bei ...

 ... Neuland!

Ich würde sagen: Das Internet ist kein Neuland für mich. Ich habe schon vor vielen Jahren den Surfschein gemacht und seitdem bewege ich mich sicher von A nach B, von einem Portal zum nächsten, durch Foren, soziale Netzwerk und Ebay.

Bei facebook war ich schon, als die meisten entweder noch mit der Sandschaufel herumspielten oder sich auf Myspace darstellten. Und ich habe herausgefunden, wie man seinen facebook-account löschen kann, was damals noch ungefähr so schwierig war wie eine Matheklausur in der 12.Kasse in Bayern. Ich glaube, heute geht das einfacher – also einen facebook-account zu löschen. Ich bin da nämlich wieder eingestiegen. Ich gestehe es, ich habe meine Prinzipien über den Haufen geworfen und mich den Anforderungen unserer vernetzten Gesellschaft und des Marktes ergeben. Ich habe schließlich Bücher geschrieben und will, dass die Leute das irgendwie erfahren. Ich kenne weder einen Redakteur der Bildzeitung, noch einen von Aspekte (und auch keinen auf der ganzen Bandbreite dazwischen), also muss ich zu facebook. Punkt!

Das hab ich gerade noch geschafft, es lag ja im Erfahrungsbereich meiner bisherigen Surfreisen durch das Netz. 

Aber dann kam Neuland. Mein Neuland: eine Webseite.

 

Wenn ich mich vergleichen wollen würde – okay, offensichtlich will ich das – dann mit jemandem, der auf der Erde alles bereist hat, was es so gibt, zumindest die ungefährlichen Gebiete, und jetzt denkt: Hach, fliegen wir doch mal zum Mond. 

Ich wollte also zum Mond fliegen. Nicht dass es nötig wäre, zum Mond zu fliegen, aber es ist doch irgendwie aufregend. Nicht dass es nötig wäre, eine Webseite zu haben, aber es ist doch irgendwie ... na ja, es ist wirklich ziemlich überflüssig eigentlich.

Egal, ich wollte eine Webseite, ich wollte zum Mond und ich wollte Neuland erobern. Wenn schon Internet, dann alles nutzen, was geht. 

Und natürlich wollte ich das selbst machen. Ich muss alles in der Hand haben. Und es macht ja auch Spass, ... oder  ... nicht?

 

Ich kann keine Rakete steuern. Wie komme ich also zum Mond? Da reicht das Surfbrett nicht mehr. 

Es gibt da so Zwischendinger zwischen Surfbrett und Rakete, Homepage-Baukästen, erdacht für Technik-Deppen, die sich und ihr Zeug, trotzdem irgendwie darstellen wollen, sollen, müssen –  wie mich.

Aber wer nun glaubt, das geht alles wie geschmiert ... bei mir jedenfalls nicht. Bindet mal einen Newsletter ein oder versucht einen Blog an die Stelle zu kriegen, an die ihr ihn haben wollt. Ach so, bei euch hat das auf Anhieb geklappt? Echt? Hmm ...

 

Ich hab jedenfalls meinen Weg nach Neuland nicht so ohne Weiteres gefunden, bin ein paarmal gestolpert, wieder zurückgegangen und hab überlegt, ob ich das überhaupt brauche. Die Antwort war immer noch dieselbe: Nein, brauch ich nicht, ... aber ich will. 

Neuland!

Seine Umgebung zu ergründen, sich einzurichten, warm zu werden, ist das Eine. Eine ganz andere Sache ist es, Leben in die Bude zu bringen. Oder einfach zu zeigen, wer sich hier eingerichtet hat. Und darum geht es schließlich: um den Inhalt. 

Es ist schwierig, in einer neuen Umgebung man selbst zu bleiben, sich zu trauen, so zu sein, wie man ist. Und es ist eine Gratwanderung: Zeigt man zu wenig oder zeigt man zu viel von sich. Ist man informativ genug? Unterhaltsam genug? Wie macht man es richtig? Gibt es ein 'richtig'?

Ich werde es sehen. 

Manchmal muss man Neuland betreten, um zu sehen, wie es ist. 

 

Also dann: Willkommen auf meiner Webseite. 

 

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