Die Nächte, die Tage und das ganze Leben

Erscheinungstermin: 14. Februar 2017

Verlag: Amazon Publishing/Montlake Romance

Seiten: 272

ISBN: 978-1477822814

 

Roman

 

Verfasst: Frühjahr 2016

 

 

Inhalt

Hellseherei? Kompletter Unsinn!

Das zumindest glaubt Fanni und beschließt mitten auf dem Münchner Winter-Tollwood, dafür den Beweis anzutreten. Impulsiv wie sie ist, leiht sie sich kurzerhand den nächstbesten ihr völlig unbekannten jungen Mann bei seiner Freundin aus. Als angebliches Paar wollen sie die ortsansässige Hellseherin als Schwindlerin demaskieren.

Keine Stunde später steht das Leben der beiden auf dem Kopf.

Es ist der Auftakt zu einer tragisch-komischen Geschichte zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Fanni erfährt die große Liebe ebenso wie den größten Liebeskummer, vor allem aber erfährt sie jede Menge über sich selbst. 

Und ganz am Ende landet sie noch einmal bei der Hellseherin … 

 

Was ich noch dazu sagen möchte

Auch wenn die Inhaltsangabe oben es irgendwie vermuten lassen könnte: Nein, es geht nicht um Esoterik. Kein bisschen. Das ist mir wichtig klarzustellen. Obwohl ich nichts dagegen habe. Ich nehme da am ehesten Emmas Position ein, die jeden Menschen glauben oder anzweifeln lässt, was er will. Emma ist übrigens Fannis beste Freundin, beziehungsweise, sie teilt sich diesen Job mit Lore, die im Gegensatz zu Fanni von den Fähigkeiten der Hellseherin zutiefst überzeugt ist, was wiederum zu jener denkwürdigen und folgenreichen Diskussion im Tollwood-Zelt führt.

Fanni, Lore und Emma, meine drei Lieblinge! Fanni, die wandelnde Katastrophe, Lore, die Liebenswerte mit den Streicheleinheiten und Emma, die Vernünftige, das mobile Einsatzkommando.

 

Manchmal wünschte ich mir, dass es einige meiner Figuren in Wirklichkeit gäbe und dass ich mich mit ihnen unterhalten könnte. Finn aus In all den Jahren steht da an allererster Stelle, aber auch Nebenfiguren wie David (ebenfalls In all den Jahren) oder Amadeus (Liebe auf den ersten Chat). Fanni, Lore und Emma gehören eindeutig dazu. Ich würde mich gerne mit ihnen in Clemens' Kneipe setzen, quatschen und dazu ein Bier trinken (was mir Leo vermutlich übel nehmen würde).

Tja, das sind jetzt schon einige Namen aus meinem neuen Roman. Der wichtigste Name ist allerdings noch nicht dabei. Na ja, der wichtigste neben Fanni ...

 

Emma heißt übrigens Emma, weil meine Oma so hieß, sie hat sogar den gleichen Nachnamen, ich weiß, meine Oma wäre einverstanden und stolz auf diese Namensvetterin. (Vetterin! Sollte es nicht Namensbase heißen?)

Und ganz gegen meine sonstigen Gewohnheiten habe ich bewusst noch zwei Namen aus meinem nächsten Umkreis entliehen, auch in diesen Fällen ist es in Ordnung. (Obwohl die Worte fielen: „Ach komm, das hast du nicht.“ Begleitet von entsetztem Stirnrunzeln. Und ich: „Doch!“  Begleitet von einem triumphierenden Grinsen. Passt schon!)

So, jetzt reicht es aber. Ich gerate ins Schwafeln und damit in Gefahr, viel mehr zu verraten, als ich wollte. Eigentlich wollte ich nur betonen, dass es in dem Roman nicht um Esoterik geht.

 

Es geht um Menschen wie du und ich, es geht um Freundschaft und darum, wie man zu sich selbst findet. Aber vor allem geht es, wie könnte es anders sein, um Liebe.

 

Übrigens, als den passenden Soundtrack zur Untermalung empfehle ich das Great American Songbook (Irgendein Song davon, da gibt es keine falschen). Oder Beethovens Neunte. Sie werden schon sehen warum. ;)

 

Leseprobe

Die vegane Futterinsel im Zelt schien wirklich nur Leute mit unerbittlich knurrenden Mägen anzuziehen, denn sie war sehr überschaubar besucht. Wir ließen uns auf einer Bank nieder, und Lore bot sich an, für uns alle vegane Burger zu holen, wobei das Wort vegan nicht fiel, sie sprach nur von Burgern. Emma grinste, und ich wurde von meinem eigenen Magen in Schach gehalten. Lore kam mit ihren Burgern zurück. Ich biss hinein und dachte nicht darüber nach, was ich da aß. Es schmeckte okay. Lore war sichtlich so froh darüber, dass sie wieder anfing, von dem großartigen Angebot im Zelt zu schwärmen. Genau ihr Ding, meinte sie, und sie könne stundenlang hier durchgehen, und sie habe ja noch laaaange nicht alles gesehen, und sie würde sich ja so gern auch die Hand lesen lassen. Da hinten sei ein Zelt, da könne man sich die Hand lesen lassen, sprudelte es begeistert aus ihr heraus.

»Tanna Divina!«, sagte ich mit vollem Mund.

»Wie bitte?«

Ich schluckte den zähen Brei in meinem Mund hinunter und wunderte mich kurz darüber, was eine Speiseröhre alles aushalten konnte.

»Tanna Divina«, wiederholte ich. »So heißt die Wahrsagerin.«

»Hellseherin«, korrigierte mich Lore mit erhobenem Finger und wichtiger Miene.

»Wo ist da der Unterschied?«

»Eine Hellseherin hat eine Gabe«, erklärte Lore. »Wahrsagerin ist abwertend und Firlefanz. Das machen nur welche, die den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen wollen.«

»Ach so, darum nennen die sich heute Hellseherin, damit man den Unterschied gleich merkt.«

»Genau!«

Emma wandte das Gesicht ab, damit Lore ihr Lachen nicht sehen konnte, ich dagegen beugte mich über meinen Burger, tippte mir an die Stirn und sagte: »Lore! Schaltest du bitte mal dein Gehirn ein! Die nennen sich Hellseherinnen und ziehen den Leuten genauso das Geld aus der Tasche wie Wahrsagerinnen. Das ist wie bei Raider und Twix, geändert hat sich nix.«

Lore sah mich verwirrt an und fragte: »Was ist Raider?«

»Twix hieß früher Raider«, erklärte Emma.

»Echt?«, staunte Lore. »Wusste ich gar nicht. Übrigens, Obi heißt jetzt auch Hagebaumarkt.«

»Nein, Obi heißt immer noch Obi.«

»Aber da steht jetzt Hagebaumarkt drüber.«

»Die haben nur das Gebäude übernommen.«

»Nein, ich glaub nicht.«

»Ich glaub schon.«

»Ist doch scheißegal«, unterbrach ich die beiden ungeduldig.

»Du hast doch angefangen«, gab Emma zurück und wieder zuckte es um ihre Mundwinkel.

»Das war nur ein Vergleich, um Lore zu erklären, dass es egal ist, wie etwas heißt, wenn sich dahinter immer der gleiche Scheiß verbirgt.«

»Ich finde Twix ganz gut«, bemerkte Lore. Ich knurrte und schob den Teller mit dem restlichen Burger zur Seite.

»Ich glaube ja auch nicht an den Kram«, beschwichtigte mich Emma. »Aber ich denke andererseits, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als unsere Schulweisheit … und so weiter.«

Die gute Emma! Wie konnte man gegen Shakespeare argumentieren? Ganz einfach:

»Oh bitte! Nichts gegen Shakespeare, aber der hat doch auch nur über das geschrieben, was die Leute damals glaubten. An Hexen haben sie damals geglaubt, wohlgemerkt. Die haben sie nämlich verbrannt. Und es ist außerdem eine Figur, die da spricht, man sollte literarische Figuren niemals mit ihrem Autor verwechseln. Sonst noch Argumente, meine Liebe?«

Emma wollte gerade den Mund aufmachen, als Lore wieder ihren wichtigen Finger hob.

»Ich kenne mehrere Leute, die bei einer Hellseherin waren, und es hat jedes Mal gestimmt, was sie ihnen gesagt hat.«

Emma klappte den Mund wieder zu und machte eine Geste, die so viel sagte wie: Da hast du es! Ich verdrehte die Augen und fragte: »Was? Was hat gestimmt? Hat sie die Lottozahlen vorhergesehen oder was?«

Lore schmunzelte nachsichtig.

»Nein, so funktioniert das nicht. Es geht nie um solche profanen materiellen Dinge.«

»Sondern?«

»Um Ideelles. Um Fragen, die das Leben betreffen, die eigene Entwicklung, die Beziehung mit dem Partner, darum, wie man mit Problemen umgehen sollte, wie man eine bestimmte Situation einzuschätzen hat, worauf man achten sollte und so weiter.«

»Das nennt sich Lebensberatung, Coaching oder Psychotherapie«, klärte ich sie auf.

»Nein«, der Finger schnellte erneut hoch, »das ist etwas ganz anderes. Eine Hellseherin wird viel konkreter. In meiner Meditationsgruppe zum Beispiel ist eine Frau, der wurde während einer Session vorausgesagt, dass sie einen Tag nach ihrem fünfzigsten Geburtstag den Mann ihres Lebens treffen würde.«

»Und? Hat sie?«

»Allerdings.«

»Lass mich raten: Sie hat an diesem Tag jeden Mann angesprungen, der ihr vor die Flinte kam, und einer davon fand das süß.«

»Nein, sie hatte nach ihrem Geburtstag einen ganz schlimmen Kater und wollte sich in der Apotheke Alka-Seltzer besorgen, da hat sie ihn getroffen. Er war genauso grün im Gesicht wie sie. Liebe auf den ersten Blick. Eine ganz romantische Geschichte.«

»Oh Scheiße, das ist ja alles vegan!«, beschwerte sich hinter mir jemand. Ich drehte mich spontan nach meinem Seelenverwandten um. Ein großer, blonder junger Mann mit zwei Frauen im Schlepptau ließ sich widerwillig und mit mürrischem Gesicht auf einer Bank nieder. Eine der Frauen strich ihm lächelnd durchs Haar und gab ihm mehrere kleine Küsschen auf die Wange. Die andere beachtete ihn nicht weiter, sondern besorgte etwas zu essen. Die freigiebigen Zärtlichkeiten seiner Freundin beschwichtigten den jungen Mann ein wenig. Er erwiderte die Küsse und legte dabei seine Hand auf ihren kleinen, knackigen Po. Ich wandte mich wieder ab. Doch kein Seelenverwandter. Öffentlich zur Schau gestelltes Turteln löste bei mir einen noch schlimmeren Würgereflex aus als vegane Fleischersatzköstlichkeiten.